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Meister Chen Yingjun - einfach klasse

29. Oktober 2023

Meister Chen Yingjun – einfach klasse

von Anita Wetzel anlässlich der Workshops mit Meister Chen Yingjun 2023

Seit 2013 kommt Meister Chen Yingjun in die Schweiz, um uns zu unterrichten. Die Zeiten, in denen er auf den Werbeflyern noch als "Sohn von Grossmeister Chen Xiaowang" beschrieben wurde, um ihm mehr Bedeutung zu verleihen, sind längst vorbei. Chen Yingjun ist ein wahrer Meister geworden, von dem zu lernen für alle eine sehr grosse Bereicherung ist.

Ein Meister trainiert die Prinzipien

Yingjun erzählt mir: "Seit meinem 14. Lebensjahr weiss ich, dass Taijiquan, die Kampfkunst meiner Familie, mein Leben ist." Nie hätte er etwas anderes tun wollen, als die Familienkultur weiterzuleben und weiterzugeben. Man spürt die Überzeugung und die Wahrheit in seinen Worten. Eigentlich hat er schon im Alter von acht Jahren mit dem Üben angefangen.

Auf meine Frage, wie häufig er denn die Waffenformen trainiere, lächelt er und sagt: "Ein Meister trainiert die Prinzipien. Es ist egal, ob er das mit oder ohne Waffen tut. Es geht immer um das Üben der Prinzipien." Wie logisch, denke ich und halte meine Frage im selben Augenblick für dumm; denn eigentlich hätte ich das wissen können.

Aber da zeigt sich Yingjuns Geduld. Jede Frage, die gestellt wird, beantwortet er. Es ist zwar nicht immer ganz einfach, weil wir unsere Fragen in Englisch nicht immer eindeutig stellen können. Dafür gibt es dann die Korrekturen. Hier verstehen wir, was wir eigentlich tun müssten, damit ein Bewegungsbild Sinn macht. Die Korrekturen sind nachvollziehbar, auch wenn es nicht immer gelingt, sie in den Trainingsalltag hinüberzuretten. Ob für den Moment oder etwas nachhaltiger, immer bewirken sie etwas im Körper. Manchmal ist es Schmerz, weil beispielsweise eine Fehlstellung des Knies korrigiert wird und der Muskel mehr arbeiten muss. Manchmal ist es das Öffnen einer Blockade, was ein völlig anderes Körpergefühl auslöst, mit dem man nicht sofort umgehen kann. Und bei mir persönlich ist es neben dem besseren Verständnis für Bewegungen und Positionen die Stärke, die ich in Körper und Geist spüren kann, weil mit jeder Korrektur mein Qi stärker und dessen Fluss verbessert wird.

Yingjun wird nicht müde zu betonen, wie wichtig es ist, in Balance und in einer vertikalen Linie aus- bzw. aufgerichtet zu sein. Und natürlich die Prinzipien. Sie sind das, was wir trainieren, nicht die Anwendungen. Nur wenn die Prinzipien in unseren Bewegungen stimmen, wird auch eine Anwendung erfolgreich sein.

Am Ende der aus meiner Sicht viel zu wenigen Trainings mit ihm stelle ich fest, dass alle Teilnehmenden profitiert und Fortschritte gemacht haben.
Ich jedenfalls freue mich ungemein auf nächsten Juni, wenn wir wieder das Privileg haben, mit Yingjun zu trainieren. Bis dahin heisst es, den Motivationsschub mitzunehmen und das Üben in den Alltag zu integrieren.

Ein grosser Dank gilt auch:

  • Dani Stehli, der den Meister beherbergt;
  • Roberta Weiss, die im Vorfeld und die Kleingruppe organisiert;
  • Christof Wetzel, der die Administration und das Finanzielle macht;
  • Patricia Jan-Guyot, die die Trainings in Biel organisiert und uns mit Kaffee und Früchten verwöhnt;
  • Blaize Jan, der für den Verband CWTACH tolle Fotos macht;
  • Allen, die teilnehmen, Fragen stellen, ernsthaft mittrainieren.
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