10. März 2019 in Neuchâtel

Zum 2. CWTACH Trainings- und Austauschtreffen lädt der Verband CHEN XIAOWANG WORLD TAIJIQUAN ASSOCIATION SWITZERLAND alle Taiji-Interessierten an den Neuenburgersee ein. Dieser Tag bietet die Möglichkeit, unter der fachkundigen Leitung durch GM Chen Xiaowang zertifizierten LehrerInnen intensiv Chen Taijiquan zu trainieren, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, Fragen zu stellen und Korrekturen zu erhalten.

Die Fortbildung richtet sich an alle Interessierten mit oder ohne Chen Taijiquan-Erfahrung.

Wir freuen uns auf ein gegenseitig bereicherndes Treffen!

Anmelden kannst du dich hier.

PDF zum Herunterladen2 CWTACH Trainings und Austauschtreffen 1 2 CWTACH Trainings und Austauschtreffen 2

laojia einfuehrung

Am 27. und 28. Oktober führt der CWTACH Verband das erste Mal einen Einführungsworkshop der Laojia Form durch. Dieser ist für Anfänger sowie Übende, welche mit den Basisübungen vertraut, sind eine hervorragende Gelegenheit die Langform des Chen Taiji Stiles kennen zu lernen.

Er findet in den Bündner Bergen in Tschiertschen, 15 min von Chur entfernt, statt. Wir werden schrittweise Figur für Figur üben und wiederholen. Die einzelnen Figuren werden vorgezeigt und dann zusammen mehrmals wiederholt. Zwischendurch werden Fragen beantwortet und Korrekturen vorgenommen. Am Abend gibt es noch ein gemütliches Beisammensein bei einem Fondue.

Im Anhang findest du den Flyer des Workshops. Wir würden uns freuen auch dich an diesem Anlass zu treffen. Anmelden kannst du dich Online auf unserer Webseite oder unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

2018 Flyer Laojia Tschiertschen 1 2018 Flyer Laojia Tschiertschen 2

In diesem ersten Seminar zum «Cannon of the Chen Family Taijiquan» bot uns Daniel Stehli eine Starthilfe in die Lektüre des umfangreichen und komplexen Lebenswerks des Taiji-Grossmeisters Chen Xin (1849-1929, 16. Generation de Chen Familie) und machte uns mit den wichtigsten Grundgedanken des Taijichuan, des Daoismus und ganz allgemein mit dem chinesischen Weltbild vertraut. Das Buch von Chen Xin erschien 1917 in chinesischer Sprache; 2007 wurde das Werk erstmals (von Alex Goldstein) ins Englische übersetzt, und das erste (von drei) Büchern liegt nun seit 2016 auch in einer sehr ausführlich kommentierten deutschen Version vor. Da einiges in der englischen Fassung etwas unglücklich oder irreführend übersetzt wurde, hält sich Daniel Stähli an das chinesische Original und führte uns – mit vielen Illustrationen und praktischen Beispielen sowie weiterer erläuternden Texten – Schritt für Schritt durch die komplexe Materie.

«The illustrated Cannon of the Chen Family Taijiquan» gilt als Standartwerk für alle, die Taijiquan unterrichten und üben. Wir finden darin eine ausführliche Einführung in die philosophischen Hintergründe des Chen Taijiquan mit Querbezügen zum Daoismus und zum Yi Jing. Begleitet wird der Text von über 400 Illustrationen und Diagrammen wie auch erläuternden Texten und Gedichten. Manches bleibt jedoch dabei ungeklärt und bietet entsprechend immer wieder Interpretationsräume. Der zweite Teil des ersten Buches beschäftigt sich mit den Meridianen und Akupunkturpunkten, verbindet in diesem Sinn das Taijiquan mit der Traditionellen Chinesischen Medizin. Im zweiten und dritten Buch geht es schliesslich um die Praxis des Taijiquan; dabei werden die einzelnen Positionen und Formen dargestellt, mit dem entsprechenden Energieverlauf im Körper, dem Qi-Fluss in Verbindung gebracht und ausführlich kommentiert.

Zum Auftakt der Lektüre finden wir ein Gedicht, ein Lied von Chen Pan-Ling (1892-1967, nicht in der Linie von Chenjagou). Darin wird die Entstehung von Himmel und Erde aus dem Wuji, dem ultimativem Nichts geschildert, in dem das Yin-Yang und das Taiji-Motif enthalten sind und das «Milliarden von Dinge vollendet». Himmel und Erde sind folglich aus dem nicht Existierenden entstanden; sobald sie jedoch existent sind, können daraus Milliarden von Dinge entstehen. Wichtig ist in dieser – im Daoismus wurzelnden – Entstehungsgeschichte, dass hier, im Unterschied zur westlichen Vorstellung, kein Schöpfer am Werk ist. Vielmehr soll sich die Welt aus dem Ur-Qi, dem Chaos, entwickeln und sich darin wieder auflösen Dies ist schliesslich der ewige Lauf der Dinge. . Auch jedes menschliche Wesen trägt das Taiji-Motiv in sich. In Bezug auf die Taiji-Praxis könnte man daraus ableiten, dass die Fähigkeiten des Taiji im Nichts wurzelt. Doch sobald wir sie in uns entdecken, herauslocken, die inneren Veränderungen wahrnehmen, Formen üben und anwenden wird klar, dass unsere nicht genutzten Gedanken und Fähigkeiten existent geworden sind. Anderseits ist jedoch wichtig, dass nicht das Sichtbare massgebend ist, im Gegenteil: interne Bewegungen, Veränderungen sollten schliesslich unsichtbar werden. Was als Farbe bekannt ist, ist schliesslich farblos und das Farblose ist farbig. Der leere Kreis zeigt all dies auf.

wujiWuji, das absolute Nichts, die Leere, im Daoismus das Nichtnennbare, wird als leerer Kreis dargestellt. Das Nichts beinhaltet jedoch gleichzeitig auch alles. Dies entspricht genau der Taijiquan Praxis: der Ursprung der Fähigkeiten ist das Nichts, aber nachdem wir ein paar Techniken gemeistert haben und anwenden können beginnt die Erarbeitung (Kultivierung) des Zustandes vom "nicht gedachten Denken" (nicht nutzen der Gedanken und des Geistes), dem Wu Xin. Wu Xin ist der Zustand, in dem die inneren Veränderungen das Sichtbare ersetzen ohne den Weg aus den Augen zu verlieren. Das Symbol des Kreises verweist aber auch bereits auf eine Trennung; das Innere trennt sich vom Äusseren; beide Elemente sind von Bedeutung auf dem Weg zur Vollkommenheit. In Bezug auf den Taiji-Weg könnte man sagen, dass der Impuls von Aussen – beispielsweise von einem Taiji-Lehrer – kommt, der den Weg der Praktizierenden begleitet. Wer nur für sich selbst, vielleicht sogar selbstzufrieden trainiert, könnte auf Irrwege geraten, die Kontrolle, die Mitte verlieren und das Taiji-Ziel nicht erreichen. Selbstbeurteilung allein genügt folglich kaum. Wer sich anderseits nur nach anderen orientiert, sich nach andern richtet, sich mit anderen misst (Kampf) und sich keinen Raum für die Selbsterfahrung und die Meditation (z.B. Standing) nimmt, könnte ebenfalls aus dem Lot geraten. Der Autor des «Canon» verweist auf die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, in der er selbst gelebt hat. Einige haben damals einen hohen Grad in der Kampfkunst erreicht, doch haben sie die Ethik zu wenig berücksichtigt, sind Laster verfallen und vom Weg abgekommen. Ziel des Taiji ist folglich, die goldene Mitte zwischen Innen und Aussen zu finden. Wichtig ist für den Taiji-Übenden die Theorie zu kennen, täglich Taiji zu üben und das Training zur Lebensaufgabe zu machen. Immer wieder – insbesondere als Einleitung zu einem neuen Buch oder Kapitel - wendet sich der Autor mit Ratschlägen und Anweisungen direkt an die Leserschaft.

jinjang Als zweites wichtige Symbol wird das Yin-/Yang-Zeichen eingeführt, das Diagramm der ultimativen Extreme, des Taiji. Die graphische Darstellung kann als Denkmodel mit zwei entgegengesetzte Kräfte betrachtet werden. In beiden entgegengesetzten Kräften ist wiederum die andere Kraft im Kern enthalten. Um auch diesen Gedanken darzustellen, wird im – dunklen - Yinbereich jeweils ein schwarzer Punkt als Kern des Yang eingefügt und umgekehrt. Yin und Yang, öffnen und schliessen, weich und hart, einatmen und ausatmen, voll und leer, etc.: Wer Taiji übt, sollte sich bewusst sein, dass bei jedem Einatmen das Ausatmen vorausgeht oder mitgemeint ist, bei jedem Öffnen das Schliessen, u.s.w.; grundsätzlich beinhaltet jede Bewegung die Gegenbewegung.

Auf die Erläuterungen zu den obigen beiden Symbolen folgen Erklärungen zu numerologische Darstellungen mit Bezug zum Buch der Wandlungen (Yi Jing), anschliessend Erklärungen der acht Trigramme und die daraus entwickelten sehr komplexen 64 Hexagramme.

Daniel Stehli geht im Anschluss detaillierter auf die Darstellungen zur Qi-Bewegung ein, erklärt das Meridian-System mit Querbezügen zur Traditionellen Chinesischen Medizin und die – auch für das Taiji wichtigen – Akupunktur-Punkte.

Regula:

Dora Louise, du bist 1939 geboren und wirst nächstes Jahr 80 Jahre alt. Wann hast du mit Taiji begonnen?

Dora Louise (DL):

Anfangs der 90er Jahren habe ich im Fernseher Al Huang gesehen. Seine Bewegungen waren für mich wie Tanzen, sie faszinierten mich, und ich brachte diese Bilder nicht mehr aus meinem Kopf. Später erfuhr ich, dass das eine von Al Huang ausgeführte Art von Taijiquan war. Natürlich war auch die Chinesische Medizin mit Yin und Yang, den Meridianen und all den weiteren Gebieten immer ein Begriff für mich, und ich hatte mich in dieses Gebiet eingelesen.

Als dann eine Physiotherapeutin in meinem Wohnquartier einen Taiji-Kurs ausschrieb, meldete ich mich an und besuchte den Kurs während zwei, drei Jahren. Wir begannen mit der neunzehner Form und wechselten später zur für mich sehr schwierigen 38-Form.

Regula:

Ja, das ist so. Die 38er Form ist sehr anspruchsvoll.

DL:

Genau. Nach einer gewissen Zeit probierte ich Yoga aus. Ich merkte aber bald, dass mir diese immer an der gleichen Stelle ausgeführten Dehnungsübungen, nicht entsprachen. Ich gab schon bald auf, machte eine Pause und meldete mich wieder bei der Taiji-Lehrerin zum einmal wöchentlich stattfindenden Taiji-Training. Ich bin da immer noch dabei, es gefällt mir, obwohl wir noch immer bei der 38er Form sind. Und dann komme ich noch einmal monatlich zu dir in den «Zürcher-Kurs». Ich schätze die feinen Korrekturen und ich bereue es sehr, wenn ich einmal fehlen muss. Ja, Taiji ist wichtig für mich.

Regula:

Du warst in einem medizinischen Beruf tätig?

DL:

Ich war medizinische Röntgenassistentin.

Regula:

Deine Tätigkeit war westlich geprägt mit einer anderen Auffassung von Krankheit und Mensch als du sie im Taijiquan und bei der Chinesischen Medizin findest. Trotzdem hattest du die Offenheit, in ein ganz anderes Gebiet einzusteigen.

DL:

Ja. Ich wusste immer, dass andere Kulturen auch ein grosses, oft über viele Jahre entwickeltes Wissen haben.

Regula

Ich spüre bei dir diese bereits erwähnte Offenheit, weitere Seiten als die materiellen zu entdecken, sehr gut.

DL:

Ja genau, das Suchen nach den Tiefen des Lebens war für mich immer wichtig. So hat mich beispielsweise das Symbol «Yin/Yang», das Helle und das Dunkle, die beiden sich ergänzenden Paare, immer angesprochen. Auch mit Astrologie habe ich mich befasst. Ich habe gemerkt, dass Wahrheit überall gefunden werden kann, sie zeigt sich jeweils einfach in anderen Worten.

Regula:

Wie meinst du Wahrheit zeigt sich auf eine andere Art?

DL:

Ich habe gelernt, dass in unserer Wahrnehmung viele feinstoffliche Vorgänge stattfinden, die wir mit unseren fünf «normalen» Sinnen nicht direkt erfassen können. Dies ist für mich eine ganz andere Realität, und ich versuche immer wieder Hintergründe zu verstehen.

Regula:

Ja, und im Zusammenhang mit Taiji und mit Energiearbeit entstehen viele, sehr interessante und tiefe Erfahrungen.

DL:

Genau. Es ist wunderbar, den Körper mit Taiji auf eine andere Art immer besser kennen zu lernen. Beispielsweise über die Langsamkeit, die aber immer in Bewegung stattfindet. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass Taiji intensiver und schöner wird, je langsamer ich es praktiziere. Am Anfang war das nicht so, da führte ich nur die Bewegungen aus. Erst mit der Zeit konnte ich tiefere Erfahrungen machen.

Regula:

Ja, das ist eigentlich der Weg, den alle Taiji-Übende machen. Der Weg, der uns immer tiefer in diese chinesische Bewegungskunst führt.

Gerne möchte ich noch deine Gesundheit im Zusammenhang mit Taiji ansprechen. Kannst du Zusammenhänge zwischen dem Üben von Taiji und deiner Gesundheit sehen?

DL:

Ja natürlich. Wenn man etwas so Schönes machen kann und einem das noch so gut tut, ist das sehr motivierend. Ich hatte eine Zeit mit starken Rückenschmerzen, und ein Arzt verordnete mir den Besuch in einem Fitnessstudio. Das «Arbeiten» an den Geräten war für mich aber schlimm, und ich war sehr froh, daneben noch das Taiji zu haben. Gottlob kann ich jetzt wieder machen, was mir entspricht.

RS:

Kannst du bei dir über all die Jahre gesundheitliche Veränderungen feststellen?

DL:

Ja, meine Gesundheit wurde und wird besser. Nebst dem wöchentlichen Taiji-Training bei der Lehrerin im Quartier und dem monatlichen bei dir besuche ich eine Atemtherapie. Ich spüre trotz meines Alters körperliche Veränderungen. Ich kann besser aufrecht gehen und ermüde weniger schnell. Atemtherapie und Taijiquan ergänzen sich sehr gut.

Regula:

Ich selber versuche auch, zusammen mit Taiji und einer weiteren feinstofflichen Körperarbeit den Ausgleich zu finden.

DL:

Das finde ich sehr gut. Das Zusammenwirken von verschiedenen Körperarbeiten kann sich bereichernd auswirken, kann andere Dimensionen öffnen.

Regula:

Kannst du vom Taijiquan auch im sozialen Bereich profitieren?

DL:

Ja, ich liebe es sehr mit Menschen zu üben, die auch gerne Taiji praktizieren. Es ist mir in beiden Gruppen wohl, und es ist für mich wichtig, diese Leute regelmässig zu treffen, mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen und zu sehen, dass wir alle Fortschritte machen.

Regula:

Dora Louise, übst du zu Hause auch Taiji?

DL:

Ich versuche mich an deine Übungen zu erinnern und baue beispielsweise deine Anregungen betreffend guter Haltung in den Alltag ein. Ab und zu übe ich Reeling silk.

Regula:

Was bringt dir Taiji noch weiter?

DL:

Taiji bringt viel Freude in mein Leben weil ich merke, dass diese Art mit dem Körper umzugehen mir so gut tut. Obschon, ich spüre das Fliessen der Energie nicht immer und spüre nicht genau, wo sie durchfliessen. Aber nach dem Üben fühle ich mich leichter, entspannter und es geht mir meistens besser. Manchmal bin ich etwas müde. Aber das darf ich mit meinen 80 Jahren ja auch sein.

Regula:

Auf jeden Fall. Und du darfst nicht vergessen, dass unsere Trainings 2.5 Stunden dauern.

Nun noch eine andere Frage. Hast du nebst Taijiquan noch andere Bezüge zu China?

DL:

Ja ich habe auch schon in Kalligraphiekursen mitgemacht und besuche gerne Ausstellungen im Riedbergmuseum. Schon als junge Frau hat mich die Denkweise der chinesischen Philosophen Konfuzius und Laotse interessiert. Bei Bedarf lasse ich mich mit Akupunktur behandeln.

Heute muss ich in meinem Leben andere Schwerpunkte setzen, ich kann intellektuell nicht mehr so viel aufnehmen. Aber ich interessiere mich nach wie vor für die geistigen Seiten des Lebens, alles was mit Intuition im Zusammenhang steht, finde ich spannend. Und ich möchte auch wissen, was auf der Welt neu geschieht.

Regula:

Dora Louise, ich bewundere deine geistige und mentale Präsenz. Du bist eine sehr aufgeschlossene Frau und ich hoffe, dass du deine Offenheit mit Taiji weiter behalten kannst.

DL:

Jaja, das Taiji möchte ich nicht missen, und ich wünsche mir, dass ich diese schönen Bewegungen noch lange ausüben kann. Ich möchte meine Beweglichkeit behalten und noch lange den Taiji-Unterricht besuchen können. Es ist halt viel einfacher in der Gruppe zu üben. Taiji tut mir spürbar gut, es ist meine Kraftquelle und es hilft mir, mich und mein Leben als Ganzes zu sehen.

Regula:

Dora Louise, ich danke dir, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast.

*Name der Redaktion bekannt

2016 yingjun

 

Wir dürfen uns glücklich schätzen, wiederum  einen der besten Taiji-Meister der Gegenwart bei uns willkommen zu heissen. Master Chen Yingjun - Sohn von Grossmeister Chen Xiaowang - Kommt auch dieses Jahr in die Schweiz und wird vom 5. September bis zum 11. September 2018 in Biel, Neuchatel, Olten und Zürich unterrichten! Einen zweiten Block wird es vom 13. September bis 16. September in Bern geben. Vorgesehen sind in allen Kursen Positionskorrekturen und Zeit für Fragen.
Weitere Information findest du in unser Veranstaltungs-Kalender oder im angehängten Flyer.