2018 taiji tag 1
2018 taiji tag 2

Am 28. April erwarteten wir in Willisau eine bunte Schar von 20 Leuten, die am Welt-Taijiquan- und Qigongtag teilnehmen wollten. Der WCTACH Verband unterstützte die Durchführung dieses Morgens. Von jung bis alt und von absoluten Neulingen bis zu Taijiquan-Profis war alles vertreten. Darum entschieden wir uns für die Anfänger einen Einblick ins Chen Taijiquan zu geben und mit zeitweiliger Partnerarbeit die Neulinge von der Erfahrung der Fortgeschrittenen profitieren zu lassen. Im Gegenzug konnten die Erfahreneren ihr Wissen weitergeben und sich daran erinnern, wie komplex der Einstieg ins Taijiquan auch für sie selber damals war.
Nach der Begrüssung im Übungsraum gingen wir nach draussen um zu Trainieren. Wir legten sofort los und starteten mit einem lockeren Aufwärmen, gefolgt von 20 Minuten Stehen mit Anleitung und Korrekturen, was alle mit Bravour machten. Erste Versuche in den Seidenübungen folgten vor der Pause.
Den Neulingen zeigten wir mit den Erfahrenen die 19er Form und Regula demonstrierte die Schwertform. Dadurch konnten wir einen Einblick geben, was Taijiquan so beinhalten kann. Christof stellte den WCTACH-Verband und seine Ziele vor. Das eben gesehene probierten wir dann zusammen aus und „skizzierten“ die ersten paar Bilder der Kurzform zusammen. Der Morgen war schnell vorbei und alle waren die ganze Zeit mit Eifer und Spass bei der Sache. Es hat Freude gemacht mit dieser Gruppe zusammen zu trainieren.
Dani und Bertha

Einige Rückmeldungen von Teilnehmern

Am Samstag durften wir einen sehr spannenden und abwechslungsreichen Morgen verbringen. Es war für uns das erste Mal, dass wir Chen Taijiquan und Qigong ausüben konnten. Anfangs waren wir unsicher was uns erwarten wird und wie wir uns dabei anstellen werden. Nach kurzer Zeit waren wir aber schon sicherer. Nach und nach konnten wir unseren Kopf immer mehr abschalten. Es war eine sehr aufgeschlossene Truppe und es bereitete uns viel Freude mit ihnen zusammen zu sein. Wir danken allen ganz herzlich, die uns diese neue Erfahrung möglich gemacht haben.
Paula und Svenja

Neu und interessant
Spannende Übungen
Angenehmer und sehr freundlicher Umgang
Gute Instruktion
Glaubwürdige LeiterInnen (wichtig, weil doch etwas unbekannt)
Gertrud und Peter

Am Samstag, 28. April findet der internationale Welt- Taiji- und Qigong-Tag statt.

Unser Verband cwtach organisiert dazu gemeinsame Trainings in Willisau (9.00-12.00 Uhr) und in St. Aubin (13.30-17.00 Uhr). Alle sind herzlich eingeladen mitzutrainieren! Mit dem Taiji-Tag möchten auch wir dazu beitragen, das Taijiquan und Qigong einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen. Natürlich besteht genügend Raum für den persönlichen Austausch mit Taiji-Praktizierenden und -Interessenten.

Der Workshop in Willisau findet unter der Leitung von Bertha Heller und Daniel Bolliger statt,
der Workshop in St. Aubin wird von Anke Gafner und Stéphane Bueche geleitet.
In diesen Workshops sind auch AnfängerInnen herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Anmeldung bitte unter:
Berta Heller 077 422 94 12, info@qigong-taili-willisau, http://www.qigong-taiji-willisau.ch.
Anke Gafner 078 602 72 20, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Weitere Informationen findet ihr in den entsprechenden Flyer auf dieser Website. Bitte leitet sie auch interessierten Freunden und Bekannten weiter, herzlichen Dank für Eure Mithilfe und Teilnahme.

Mitglieder und Mutationen

Ende 2017 zählt der im 2011 gegründete Verein CWTACH insgesamt 53 Mitglieder. Davon sind 24 zertifizierte Lehrer/-innen (inkl. 4 Meisterschüler/-innen). Im Berichtsjahr wurden 3 neue Mitglieder aufgenommen, 3 Mitglieder verliessen den Verband.

Tätigkeiten des Verbandes 2017

Bereits im letzten Jahr hat sich gezeigt, dass Grossmeister Chen Xiaowang nicht mehr - wie in früheren Jahren - regelmässige Workshops in der Schweiz und in Europa leiten kann. Anlässlich eines Kurzbesuchs im November 2017 bestand jedoch für Mitglieder die Möglichkeit Prüfungen abzulegen.

Dem Verband ist es nach wie vor ein grosses Anliegen, seinen Mitgliedern genügend Fortbildungsmöglichkeiten anbieten zu können und hat deshalb nicht nur mehr eigene Workshops mit Meisterschüler/-innen und zertifizierten Lehrer/-innen organisiert sondern auch auf Workshops mit Meistern aus der Chen-Familie aufmerksam gemacht und sich mit den Organisatoren entsprechend vernetzt. Der Vorstand wird sich weiterhin überlegen, wie die Aus- und Fortbildung gesichert werden kann.

Mitgliederversammlung 2017

Diese fand am 4. März 2017 wiederum in Olten statt.

Nach der Behandlung der regulären Verbandsgeschäfte diskutierten die insgesamt 14 anwesenden Mitglieder insbesondere folgende Themen:

  1. Qualitätssicherung: Die im Auftrag der MV (vgl. Protokoll 2016) von der Technischen Kommission erarbeiteten Richtlinien wurden rege diskutiert und konnten anlässlich der MV nicht in allen Punkten verabschiedet werden. Da es sich v.a. um inhaltlich wenig relevante Formulierungen handelte, wurde den beteiligten Mitgliedern eine Frist bis Ende März 2017 gewährt, um allfällige Vorschläge einzubringen. Einig waren sich alle, dass diese Richtlinien dynamisch bleiben sollen, d.h. Anpassungen sollten den aktuellen Bedürfnissen entsprechend möglich sein. Die abschliessende Formulierung erfolgte durch den Vorstand an seiner Sitzung im Juni.

  2. Reglement E: bezieht sich auf die Fortbildung der Lehrenden und regelt insbesondere die Umsetzung von Art. 16 der Verbandstatuten. Es ergänzt entsprechend die bestehenden Reglemente (A-D) zu Art 15 der Statuten betr. Vorprüfungen, Zertifizierungen und Rezertifizierungen (Basis und weitere Formen).

  3. Antrag betr. Erweiterung der Möglichkeiten in der Fortbildung: Mit der Begründung, dass eine Privatstunde bei Meisterschüler/-innen mehr «wert» ist als Gruppenunterricht, wird beantragt, dass eine Privatstunde einer Workshop-Stunde bei einem Meister/Grossmeister gleichgestellt werde. Diesem Antrag wurde mit einer Enthaltung stattgegeben, das Reglement E mit entsprechendem Passus verabschiedet.

  4. Mitgliederumfrage: Die Resultate aus 2016 zeigten die grössten Anliegen der Mitglieder auf: Bessere Sichtbarkeit von CWTACH, verständliche Reglemente, Verbesserung des Informationsflusses und Klarheit bezüglich Strategie des Verbandes, wenn GM Chen Xiaowang nicht mehr in die Schweiz kommen kann. Einige Anregungen konnten bereits aufgenommen und umgesetzt werden (vgl. Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätssicherung, Erweiterung der Workshops u.a.m.). Der Vorstand wird bezüglich Mitgliederanliegen wachsam bleiben, regt aber auch immer wieder an (Website, Newsletter) sich aktiv zu beteiligen, insb. da die Ressourcen des Vorstands beschränkt sind.

  5. Generationswechsel in der Chen-Familie: zur Zeit ist unklar, wie es diesbezüglich weitergehen wird. Klar steht jedoch, dass CWTACH – in Absprache mit GM Chen Xiaowang – vermehrt mit Chen Ying Jun und anderen der Chen-Familie zusammenarbeiten und zusätzlich Workshops mit hochqualifizierten Meistern organisieren wird.

  6. Mitgliederbeiträge: Da der Verband in den letzten Jahren Gewinne verzeichnet hat, wurde beantragt, die Mitgliederbeiträge zu senken. Die Anwesenden lehnen den Antrag allerdings mit zwei Enthaltungen ab mit der Begründung, dass es schwierig sein wird, die Beiträge in Ertragsschwächeren Jahren wieder zu erhöhen. Der Vorstand wird jedoch dazu schauen, mehr Aktivitäten für die Mitglieder zu generieren.

Vorstand 2017

(bestehend aus 6 Personen aus verschiedenen Regionen der Schweiz: Daniel Stehli (Präsident), Olten; Roberta Weiss (Vizepräsidentin); Zürich, Renata Mäusli (Aktuarin und Verantwortliche diverser Projekte), Neuchâtel; Patricia Jan-Guyot, (Beisitzerin, verantwortlich für Übersetzungen und Projekte), Bienne; Christof Wetzel (Beisitzer, verantwortlich für Mitgliederadministration), Luzern; Allon Moritz (Beisitzer, verantwortlich für Website und Newsletter), Chur. Die Aufgaben und Kompetenzen der Vorstandsmitglieder sind in Pflichtenheften festgehalten. Die Arbeiten des Vorstands werden ehrenamtlich erledigt.

Im Berichtsjahr traf sich der Vorstand zu drei Sitzungen in Olten (4.3., 5.6. und 2.12.). Zusätzlich fanden themenspezifische Arbeitsgruppen statt. Folgende Aufgaben wurden besprochen und (zum Teil) erledigt:

  1. Administration

  • Dank einem neu erarbeiteten Formular konnte die Erfassung der Fortbildungskursen wie auch die entsprechende Kontrolle vereinfacht werden.

  • Die neue Online-Anmeldung wurde für verschiedene Workshop in Betrieb genommen. Allerdings hat sich erwiesen, dass es nicht für alle User funktioniert; hier steht weiterhin die Anmeldung auf traditionellen Wegen zur Verfügung. Das Tool wird im nächsten Jahr optimiert.

  1. Fortbildung

  • An der MV stellte die Technische Kommission die neuen Richtlinien für die Qualitätssicherung vor. Verschiedene Änderungsvorschläge der Anwesenden wurden dabei diskutiert und zum Teil in das Dokument aufgenommen.

  • Wiederum organisierte der Verband einen Workshop zur Vertiefung des Wissens rundum das Taiji (s. unten);

  • Ebenfalls an der MV konnte das neue Reglement (E), für lehrberechtigte Mitglieder vorgestellt und verabschiedet werden.

  • Vorschläge für die Fortbildung auch ausserhalb des Verbandes (s. unten).

  1. Zertifizierung und Vorprüfungen

  • Im November konnte GM Chen Xiaowang anlässlich seines kurzen Besuches in der Schweiz (Re-)zertifizierungen vornehmen; 12 Mitglieder nahmen diese Gelegenheit wahr und haben die entsprechenden Prüfungen (1 Erstzertifizierung und 11 Zertifizierungen erfolgreich bestanden.

  • Der Vorstand wird sich weiterhin überlegen, wie Zertifizierungen vorgenommen werden können, wenn GM Chen Xiaowang nicht mehr regelmässig nach Europa und in die Schweiz reisen kann.

  1. Öffentlichkeitsarbeit: Newsletter, Website und Werbemittel

  • Speziell aktiv wurde der Vorstand bei der Lancierung neuer Möglichkeiten, den Verband sichtbarer zu machen (s. unten)

  • Da die T-Shirts sehr grossen Anklang finden und viele Mitglieder zudem Interesse für ein – wärmeres - Sweat-Shirt zeigten, hat der Vorstand ein entsprechendes Design entworfen – ebenfalls mit Kaligrafie und Logo – und dieses in allen Grössen bestellt. Ziel war auch, dieses am geplanten Austausch- und Trainingstreffen zum Verkauf anzubieten und für die Kursleitenden abzugeben. Über 30 Sweat-Shirts wurden bereits verkauft.

  • Eine Verbandsbroschüre ist in Bearbeitung.

  • Newsletter: Mitglieder aber auch mehrere (registrierte) Interessierte erhielten im Berichtsjahr alle 2 Monate den Verbands-Newsletter mit Informationen und Berichten zu aktuellen Workshops und Aktivitäten. Zudem wurden regelmässig themenspezifische Berichte (z.B. Interviews mit Mitgliedern zu Taiji-Feriencamps) veröffentlicht.

  • Für die aktuelle Website wurde ein erstes Lifting aufgegleist und eine Überarbeitung des Kalenders. Ende Jahr gab der Vorstand diese Arbeit in Auftrag mit entsprechendem Budget. Für die Plattform der Lehrenden ist ein neues Konzept in Bearbeitung, insbesondere da sich die vorgesehene Version als zu arbeitsintensiv erwies. Der Internet-Shop für Bestellungen von Verbandsprodukten (T-Shirt, u.a.) ist im Aufbau begriffen. Das Ticketing wird bereits rege benutzt und wird weiter verfeinert.

Technische Kommission

2017 wurden im März Vorprüfungen durchgeführt. Zudem war sie massgeblich an der Bearbeitung der Qualitätssicherung beteiligt.

Buchhaltung

Seit 2015 erledigt Silvia Röthlin diese sehr wertvolle Arbeit ehrenamtlich; sie wird sie auch weiterhin übernehmen, was den Vorstand natürlich sehr freut.

Workshops und Seminare

Da Grossmeister Chen Xiaowang nicht mehr regelmässig in die Schweiz kommen kann (s. auch Jahresbericht 2016) wird der Verband versuchen, andere Workshops anzubieten, einerseits damit die Lehrenden genügend Fortbildungsmöglichkeiten haben und anderseits um allen Mitgliedern und Interessierten Gelegenheit zum Trainieren und sich Austauschen zu ermöglichen. Natürlich wird CWTACH die bereits gut etablierte Beziehung mit Chen-Familienmitgliedern weiter pflegen und nach Möglichkeit ausbauen.

Workshops

Die Workshops mit Chen Ying Jun im August/September fanden regen Anklang und wurden sehr gut besucht. Insgesamt fanden 9 Workshops à ca. 2 ½ Stunden in Olten (Standing / Reeling Silk, Laojia Yilu, Speer sowie 19er Form mit Anwendungen), Zürich (38er Form) und Biel (Standing, Tuishou, Grundtechniken „peng-lü-ji-an“) statt. Sehr geschätzt wurden seine Erklärungen, seine Korrekturen und seine kommunikative, heitere Art.

In Absprache mit den entsprechenden Veranstaltern machte CWTACH seine Mitglieder über Website, Newsletter, aber auch im direkten Kontakt auf weitere Workshops mit Mitgliedern der Chen-Familie aufmerksam, z.B. mit Chen Bing in Bern oder mit Chen Xiaoxing In Deutschland.

Feriencamps bei Chen-Meistern und Meisterschüler/-innen

Viele Mitglieder haben auch dieses Jahr die Gelegenheit genutzt, ihre Ferien mit Intensiv-Taiji-Workshops oder Camps zu verbinden, sei dies bei Meisterschülerinnen wie Regula Stehli oder Cate Wallis, sei dies – wie es sich gerade dieses Jahr anbot – bei einem Grossmeister wie Chen Xiaoxing. In Interviews wurden die Erfahrungen einiger Mitglieder festgehalten und im Newsletter und auf der Website publiziert. Der Vorstand wird vermehrt auf mögliche nicht direkt vom Verband organisierte Camps hinweisen und die Mitglieder ermuntern, daran teilzunehmen.

Seminare zu «theoretischem» Wissen rundum das Taijiquan

Der ganztätige Workshop zur Diätetik mit Helmut Magel im Juli 2017 stiess auf grossen Anklang und wurde von 30 Mitgliedern und Interessierten besucht.

Daniel Stehli (Präsident) und Roberta Weiss (Vize-Präsidentin)

chen bing

Am Wochenende vom 03. und 04. März 2018 organisierten Barbara und Jaewoo Lee-Gehring, Chen Taiji Bern, einen Taijiquan Workshop mit Meister Chen Bing in Münchenbuchsee.

Das Thema dieses zweitägigen Trainings war die Form Laojia Yilu, also der alte Rahmen des Chen Stils.

Die etwa 30 Teilnehmenden durften sich auf ein äusserst lehrreiches und kurzweiliges Taijiquan Wochenende freuen. Chen Bing teilte sein Training so ein, dass pro Halbtag ein Viertel der Form kennengelernt und vertieft werden konnte. Jeweils am Ende des Tages wurden dann die Teile verknüpft, sodass wir am Sonntag zum Schluss die ganze Form am Stück gemeinsam laufen konnten.

Chen Bing ist ein sehr erfahrener und didaktisch geschickter Lehrer, der alle Teilnehmenden auf ihrem Niveau abholen und weiterbringen kann.
Er legt sehr grossen Wert auf die vorbereitenden und aufwärmenden Übungen vor dem eigentlichen Formentraining. Dabei werden auch die koordinativen Fähigkeiten durch Zehenstand und abwechselndes Stehen auf einem Bein geübt. Immer wieder macht er die Schüler darauf aufmerksam, sich zu entspannen, die Schulter zu senken, das Gewicht von Armen und Beinen nicht mit den Muskeln zu halten, sondern sinken zu lassen.
Dabei unterstreicht Meister Chen Bing jedoch, dass die innere Struktur durch die Entspannung nicht verloren gehen darf. Das heisst zum Beispiel, dass die Finger gestreckt bleiben, der Kopf aufrecht, der Schultergürtel offen und rund ist.
Beim Üben der einzelnen Bewegungen oder Techniken, fordert er die Schüler regelmässig auf, die Arme fallen zu lassen und den Körper durchzulockern und das Qi abzusenken.

Meister Chen Bing versteht es, den Schülern die Qi-Wechsel in den Bewegungen klar und verständlich zu zeigen, indem er mit langsamen Bewegungen der Arme und deutlichen Gewichtswechsel das Zurückfliessen des Qi (Yin) und das nach Aussen Fliessen des Qi (Yang) deutlich macht. Trotz den langsamen und grossen Bewegungen kann man sehr gut erkennen, wo schlussendlich eine Anwendung (also eine Abwehr oder ein Angriff) erfolgen kann.
Chen Bing ist es wichtig, den Kampfaspekt des Taijiquan der Familie Chen ebenfalls in das Training einzubringen. So sind seine Bewegungen oftmals kampforientiert und auf einen imaginären Gegner gerichtet. Das hilft oftmals für das bessere Verständnis einer Bewegungsabfolge.

Bei Meister Chen Bing kann gut beobachtet werden, wie die Arme und Beine den Spiralbewegungen des Rumpfes folgen. Das also zum Beispiel die Hand erst am Schluss einer Bewegung des Armes in die endgültige Haltung gedreht wird.

Am Sonntag brachte er uns eine weitere Trainingsmethode aus Chenjiagou etwas näher, das freie Taiji-Laufen. Dabei wird zum Beispiel die Laojia Yilu nicht stur geradlinig nach Lehrbuch abgespult, sondern die Bewegungen werden frei in verschiedene Richtungen, auch rückwärts kombiniert. Der Grundablauf wird zwar befolgt, jedoch in Geschwindigkeit, Ausführungsrichtung und Anzahl Wiederholungen stark variiert. Dies lässt viel Freiraum für neue Fajin Anwendungen.
Das Ganze gleicht nun eher einem Freikampf mit einem unsichtbaren Gegner als einem Formlauf. Natürlich ist es bei dieser Trainingsmethode mindestens ebenso wichtig, die Qi-Wechsel korrekt zu machen und den Körper als Ganzes zu bewegen.

Meister Chen Bing hat folgende Punkt beim Training besonders hervorgehoben:
Finde dein Dantian! (Wahrnehmung)
Folge deinem Dantian! (Bewegungsauslösung im Zentrum – der Körper folgt)

Dantian entspannen und sinken lassen
immer eine natürliche Atmung anstreben
aussen weich – innen hart (Gelenke offen, Muskeln entspannt, die Struktur aber nicht unterbrochen und der Körper nicht schlaff)

Zum Schluss gab er uns den einfachen Rat mit auf den Weg:
«geht nachhause und übt!»

Glücklich, mit müden Beinen und vielen Eindrücken traten wir dann also den Heimweg an mit der Hoffnung, Meister Chen Bing möglichst bald wieder in der Schweiz zu haben.

Ermensee, 18.03.2018
Christof Wetzel

belt and road

Weltweit praktizieren heute geschätzte 200 Millionen Menschen Taiji. Und nach der chinesischen Wushu-Association sollen es noch mehr werden.

Vom 18. – 25. Februar 2018 besuchte die Chinesische Wushu-Association im Rahmen des Projektes „The "Belt and Road" China Taichi culture world tour in Europa-die Städte Berlin, Vicenza, Budapest und Wien. Taiji-Begeisterte waren eingeladen, einen ersten Einblick in das Duanwei-System mit Meistern des Chen- und des Yang-Stils zu nehmen. Die Anwesenheit von unserem Shifu Grossmeister Chen Xiaowang wirkte in Berlin wie ein Magnet, die grosse Teilnehmerzahl sprengte beinahe das Platzangebot.

Erfahrungsbericht von Regula Stehli

Nach dem obligaten Fotoshooting und einer kurzen Begrüssung begeben sich die beiden in Chen- und Yang-Stil aufgeteilten Gruppen zu ihren Lehrern. Erklärungen gibt es dann nicht mehr viele, es geht bei uns Chen-Taiji’lern unter der Leitung von Grossmeister Huang Xin gleich los:. Als erstes der Gruss ganz nach chinesischer Art mit der dazu gehörenden Handbewegung – zackig und klar.
Es bleibt an diesem ersten Nachmittag nur wenig Zeit für das Erlernen der Form Duanwei 1, sollen wir doch auch einen Einblick in die passende Partnerform bekommen. Die lange Zweierreihe ist vor allem für die hintersten Paare eine echte Herausforderung: wie und wo lässt sich ein Blick auf die Unterrichtenden erhaschen?

Nach Wiederholen des am Vortag Erlernten heisst es dann am Nachmittag des zweiten Tages die Form und auch die Partnerübung dem Gremium der Wushu-Association vorzuführen. Das Angebot, Fragen an die Grossmeister richten zu können, wird rege benutzt. Die Frage, wie sich denn GM Chen Xiaowang die Zukunft des Lernens in Europa vorstelle, beantwortet er mit der Gegenfrage, ob wir denn wissen wollen, ob er wieder nach Europa komme. Seine Antwortganz typisch nach der Art unseres Shifus: Unterrichten sei für ihn wie das Praktizieren von Reeling silk. Zeitweise führe er die Bewegungen sehr gross aus. Dieser Unterricht finde in China statt. Übe er mit kleinen Bewegungen, unterrichte er in Europa.

Am Nachmittag gibt uns Professor Kang Gewu in einem Vortrag einen Einblick in die chinesische Taiji-Kultur und Grossmeister Chen Xiaowang referiert über die Grundlagen des Taijiquan. Beide Referate sind sehr interessant und natürlich kleben die Schüler-/innen ihrem Shifu wie gebannt an seinen Lippen – Lieber Chen Xiaowang, wir alle freuen uns auf mehr!

Der Abschluss bildet eine Demo der Meister und Grossmeister. Chen Xiaowang ist in seinem Element – Seine Vorführung beendet er mit einem Sprung von der Bühne. Und wird während der beiden Tage nicht ein einziges Mal das Wort „Qi“ erwähnt, müsste nun allen Anwesenden klar sein, dass es da noch etwas anderes gibt als nur die rohe Muskelkraft!

Das DuanWei System können wir mit dem Graduierungssystem beispielsweise im Karate vergleichen. In sechs Formen mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad, Partnerübungen und Vorzeigen von Anwendungen können sich die Lernenden von der Wushu-Association prüfen lassen. Nach dem Erreichen des sechsten Grades sind für das Erreichen der Stufen sieben und acht besondere Anforderungen definiert.. Zudem braucht es eine Berufung von der Assoiation. Die neunte Stufe ist nur neun vom Gremium gewählten Wushu-Praktizierenden vorbehalten. Die Vertretung für das Taijiquan des Chen-Stils hat unser Shifu, Grossmeister Chen Xiaowang vor einigen Jahren übernommen.

Erfahrungsbericht von Renata Mäusli

Treffpunkt 09h00 in Gymnastikhallen eines grossen Schulkomplexes in Wien. Es wird pünktlich mit der Einführung begonnen. Für dieses Tai Chi Event haben sich ungefähr 200 oder mehr Personen getroffen, um gemeinsam zu üben und auszutauschen.

Ich bin an diesem Tag anwesend als Vorstandsmitglied des CWTACH-Verbandes, damit ich die Atmosphäre erspüren kann und um Informationen zu erhalten, wie das zukünftige Tai Chi aus China im Westen vermittelt wird oder vermittelt werden soll. Die anwesenden sechs Taijiquan Grossmeister (Chen und Yang Stil) – und da erblicke ich ein bekanntes Gesicht: Grossmeister Chen Xiaowang – werden den anwesenden Europäern vorgestellt (Österreicher, Deutsche, Tschechen, Ungarn und sicher noch andere Staatsangehörige aus Europa und eine Schweizerin).

Die Gruppen werden nach Chen und Yang Stil aufgeteilt, (je eine Gruppe pro Halle) und der Unterricht beginnt. Einer der Chen Stil Meister führt uns in eine Duan Wei Form ein, welche während einem zweiten Teil in Zweierpraxis (Tueshou) gezeigt und sofort auch geübt wird. Grossmeister Chen Xiaowang übernimmt zeitweise die Leitung, um Struktur und Ruhe in diese Riesengruppe rein zu bringen. Dies gelingt ihm denn auch sehr schnell. Seine jahrelange Erfahrung mit den «Westerner» ist sichtlich spürbar!

Genau das habe ich schon lange gesucht! Die Form gefällt mir sehr, die Anwendung mit Partnerinnen und Partnern ist anspruchsvoll und doch sehr faszinierend. Der Vortrag am Nachmittag über Gesundheit, Aufbau von Tai Chi und der Kultur China’s wirft bei mir einige Fragen auf. Es wird oft von Harmonie gesprochen und es scheint mir, dass die chinesische Kultur und das aktuelle China in einer sehr idealisierten Weise dargestellt werden. Dies verwirrt mich doch ein wenig!

Zum Abschluss des Tages wird das Geübte vor Zuschauerinnen und Zuschauern (es kommen nach und nach mehr Leute dazu, vor allem Chinesen) vorgeführt.
Kurz: es war für mich ein interessanter und abwechslungsreicher Tag, welcher sehr gut organisiert war.
Folgende Fragen – und auch einige mehr - stellte ich mir während des Events und danach: Wie kommt es, dass plötzlich die «Tai Chi Familie» (so wie es tagsüber mehrmals gesagt wurde) aus China sich so vereint positioniert (Chen & Yang Stil)? Wie politisch ist oder war dieses Event?