17 Okt Chenjiagou Training 24 1280x960

Knapp zweihundert Kinder und Jugendliche aus ganz China besuchen momentan in Chenjiagou die seit 1982 bestehende Schule für Taijiquan des traditionellen Chen-Stils. Nach 18-jähriger Leitung kaufte Grossmeister Chen Xiaoxing, Bruder von  Grossmeister ChenXiaowang, dem Staat China die Schule ab und führt sie auf privater Basis weiter. Das Zepter hat Chen Xiaoxing vor einigen Jahren seinem Sohn Chen Ziqiang übergeben. Das nachfolgende Portrait der Schule ist aufgrund eines Interviews mit Chen Ziqiang und der Übersetzung von Huang Sha, Schwiegertochter von GM Chen Xiaowang, zustandegekommen. Ich bedanke mich bei Chen Ziqiang und Huangsha für das Gespräch und wünsche der Schule weiterhin viel Erfolg!

Die Schule von Grossmeister Chen Xiaoxing hat sich ganz der inneren Kampfkunst Taijiquan verschrieben. Ein ideales Alter für den Beginn mit Taijiquan gibt es nicht. Grundsätzlich aber gilt, je früher desto  besser. So können stabile Grundlagen für den Kampfsport erarbeitet werden. In die Schule von Grossmeister Chen Xiaoxing können Kinder ab dem fünften Lebensjahr eintreten*. Melden sich die meisten für eine ein- bis zweijährige Ausbildung an, gibt es auch Schüler, die sich zu einem längeren Aufenthalt entschliessen. Momentan besucht ein einziger Schüler das neunte Ausbildungsjahr. Die Finanzierung der Ausbildung bleibt den Eltern überlassen, Stipendien vomStaat stehen keine zur Verfügung. China unterstützt Schulen dieser Art nicht.

Nach dem frühmorgendlichen Training besuchen die Kinder den regulären Unterricht an der Schule der Gemeinde Chenjiagou, am Nachmittag finden dann zwei weitere Trainingseinheiten statt. Der Sonntag  ist unterrichtsfrei. Die Betreuung inTaijiquan ist fünfzehn Lehrern und zwanzig Coaches überlassen. Für die Aufnahme an die Schule werden keine Anforderungen gestellt. Auf jedem Level besteht die Möglichkeit, sein Können an einer Prüfung mit Zertifikat bestätigen zu lassen. Nach zehn Jahren Vollzeit-Training mit Zertifikatsabschluss und einem Sieg (Goldmedaille) an einem Turnier der Provinz kann sich der Schüler von einem Coach auf höherem Level betreuen lassen. DasTraining wird angerechnet, sofern es innerhalb einer Familientradition stattgefunden hat.

Die Motivation, sich für eine für kürzere oder aber für eine längere Ausbildung anzumelden, ist ganz unterschiedlich. Verschiedene Menschen, verschiedene Ziele. Gesundheitliche Gründe stehen häufig im Vordergrund. Oder es ist der Wunsch der Eltern, die Kinder vom grenzenlosen Konsum von Internetspielen wegzubringen. Oft ist es auch ganz einfach das Verlangen, eine Kampfkunst zu erlernen. Momentan besuchen einige Kinder mit geistiger Behinderung oder mit Aufmerksamkeitsstörungen den für sie nur leicht angepassten Unterricht. Der Erfolg lässt sich besonders bei dieser Gruppe direkt feststellen. Die Kommunikationsfähigkeit verbessert sich, das Sprechen wird fliessender, die Koordinationsfähigkeit erhöht sich. Die Behinderung ist den Kindern nach dem Unterricht unter Umständen kaum mehr anzusehen. Die Schule hat keine Möglichkeiten, eine Veränderung der intellektuellen Fähigkeiten zu messen, die vielen positiven und dankbaren Rückmeldungen der Eltern lassen aber auf eine klare Verbesserung schliessen.

*Für uns im Westen wäre dies das vierte Lebensjahr, wird doch in China die Geburt als 1.Geburtstag gezählt!

07.10.2012

Am 12.12.2015 absolvierten folgende CWTACH Mitglieder die Zertifizierungsprüfung: Mieke Visscher, David Febraz, Berta Heller, Roberta Weiss, Rita Sticher, Daniel Bolliger, Dominik Wicki. Wir gratulieren herzlich.

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In der vorderen Reihe v.l.: Regula Stehli-Schär (TK), Gm Chen Xiao Wang, Daniel Stehli (TK)

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Seriös, konzentriert, humorvoll, lehrreich. So liesse sich das Seminar in wenigen Worten umschrei- ben. Das trifft allerdings auf alle Trainings mit GM Chen Xiao Wang zu. Dieses Mal hatten wir aller- dings auch einen Grund zum Feiern. Unser Grossmeister durfte in diesem Jahr seinen 70sten Geburtstag feiern. Anlass genug, um einen Apéro zu seinen Ehren zu organisieren. Der Schweizer Ver- band CWTACH lud seine Mitglieder und die Teilnehmenden der Workshops ein, am Samstagabend nach dem Laojia Training auf das Wohl unseres Grossmeisters anzustossen.

Gäste aus Paris, Teheran, Wien und den verschiedenen Landesteilen der Schweiz waren bereits zum Training angereist. Unter ihnen auch chinesische Ärzte und Künstler, die in der Schweiz leben. Daniel Stehli, Präsident CWTACH und guter Freund von GM Chen, hielt die Laudatio. Das Geschenk wurde symbolisch überreicht – ein Nussbaum. Im Frühling wird für GM Chen in der Schweiz ein Nussbaum gepflanzt. Dieser Baum ist auch Symbol für das Wachsen und die erreichte Stärke von GM Chen, der wie der Nussbaum die Früchte in Form seines reichen Erfahrungsschatzes weitergibt. GM Chen Xiao Wang dankte und begann aus seinem Leben zu erzählen. Ernste Begebenheiten und lustige Anekdo- ten. Eines wurde dem Zuhörer bewusst: Taijiquan und Grossmeister Chen sind EINS.

An dieser Stelle sei den Organisatoren, den Helfern und den Dolmetschern recht herzlich gedankt.

Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass die Taiji-Gemeinschaft keine Unterschiede in Bezug auf Her- kunft und Sprache kennt. Alle gehören dazu, alle sind miteinander verbunden, alle gehen miteinan- der freundlich und friedvoll um. Es bleibt zu hoffen, dass die grosse Aufgabe, die GM Chen begonnen hat, nämlich Taijiquan in die Welt hinauszutragen, weitergeführt wird.

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