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Am 28. April erwarteten wir in Willisau eine bunte Schar von 20 Leuten, die am Welt-Taijiquan- und Qigongtag teilnehmen wollten. Der WCTACH Verband unterstützte die Durchführung dieses Morgens. Von jung bis alt und von absoluten Neulingen bis zu Taijiquan-Profis war alles vertreten. Darum entschieden wir uns für die Anfänger einen Einblick ins Chen Taijiquan zu geben und mit zeitweiliger Partnerarbeit die Neulinge von der Erfahrung der Fortgeschrittenen profitieren zu lassen. Im Gegenzug konnten die Erfahreneren ihr Wissen weitergeben und sich daran erinnern, wie komplex der Einstieg ins Taijiquan auch für sie selber damals war.
Nach der Begrüssung im Übungsraum gingen wir nach draussen um zu Trainieren. Wir legten sofort los und starteten mit einem lockeren Aufwärmen, gefolgt von 20 Minuten Stehen mit Anleitung und Korrekturen, was alle mit Bravour machten. Erste Versuche in den Seidenübungen folgten vor der Pause.
Den Neulingen zeigten wir mit den Erfahrenen die 19er Form und Regula demonstrierte die Schwertform. Dadurch konnten wir einen Einblick geben, was Taijiquan so beinhalten kann. Christof stellte den WCTACH-Verband und seine Ziele vor. Das eben gesehene probierten wir dann zusammen aus und „skizzierten“ die ersten paar Bilder der Kurzform zusammen. Der Morgen war schnell vorbei und alle waren die ganze Zeit mit Eifer und Spass bei der Sache. Es hat Freude gemacht mit dieser Gruppe zusammen zu trainieren.
Dani und Bertha

Einige Rückmeldungen von Teilnehmern

Am Samstag durften wir einen sehr spannenden und abwechslungsreichen Morgen verbringen. Es war für uns das erste Mal, dass wir Chen Taijiquan und Qigong ausüben konnten. Anfangs waren wir unsicher was uns erwarten wird und wie wir uns dabei anstellen werden. Nach kurzer Zeit waren wir aber schon sicherer. Nach und nach konnten wir unseren Kopf immer mehr abschalten. Es war eine sehr aufgeschlossene Truppe und es bereitete uns viel Freude mit ihnen zusammen zu sein. Wir danken allen ganz herzlich, die uns diese neue Erfahrung möglich gemacht haben.
Paula und Svenja

Neu und interessant
Spannende Übungen
Angenehmer und sehr freundlicher Umgang
Gute Instruktion
Glaubwürdige LeiterInnen (wichtig, weil doch etwas unbekannt)
Gertrud und Peter

Am Samstag, 28. April findet der internationale Welt- Taiji- und Qigong-Tag statt.

Unser Verband cwtach organisiert dazu gemeinsame Trainings in Willisau (9.00-12.00 Uhr) und in St. Aubin (13.30-17.00 Uhr). Alle sind herzlich eingeladen mitzutrainieren! Mit dem Taiji-Tag möchten auch wir dazu beitragen, das Taijiquan und Qigong einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen. Natürlich besteht genügend Raum für den persönlichen Austausch mit Taiji-Praktizierenden und -Interessenten.

Der Workshop in Willisau findet unter der Leitung von Bertha Heller und Daniel Bolliger statt,
der Workshop in St. Aubin wird von Anke Gafner und Stéphane Bueche geleitet.
In diesen Workshops sind auch AnfängerInnen herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Anmeldung bitte unter:
Berta Heller 077 422 94 12, info@qigong-taili-willisau, http://www.qigong-taiji-willisau.ch.
Anke Gafner 078 602 72 20, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Weitere Informationen findet ihr in den entsprechenden Flyer auf dieser Website. Bitte leitet sie auch interessierten Freunden und Bekannten weiter, herzlichen Dank für Eure Mithilfe und Teilnahme.

Mitglieder und Mutationen

Ende 2017 zählt der im 2011 gegründete Verein CWTACH insgesamt 53 Mitglieder. Davon sind 24 zertifizierte Lehrer/-innen (inkl. 4 Meisterschüler/-innen). Im Berichtsjahr wurden 3 neue Mitglieder aufgenommen, 3 Mitglieder verliessen den Verband.

Tätigkeiten des Verbandes 2017

Bereits im letzten Jahr hat sich gezeigt, dass Grossmeister Chen Xiaowang nicht mehr - wie in früheren Jahren - regelmässige Workshops in der Schweiz und in Europa leiten kann. Anlässlich eines Kurzbesuchs im November 2017 bestand jedoch für Mitglieder die Möglichkeit Prüfungen abzulegen.

Dem Verband ist es nach wie vor ein grosses Anliegen, seinen Mitgliedern genügend Fortbildungsmöglichkeiten anbieten zu können und hat deshalb nicht nur mehr eigene Workshops mit Meisterschüler/-innen und zertifizierten Lehrer/-innen organisiert sondern auch auf Workshops mit Meistern aus der Chen-Familie aufmerksam gemacht und sich mit den Organisatoren entsprechend vernetzt. Der Vorstand wird sich weiterhin überlegen, wie die Aus- und Fortbildung gesichert werden kann.

Mitgliederversammlung 2017

Diese fand am 4. März 2017 wiederum in Olten statt.

Nach der Behandlung der regulären Verbandsgeschäfte diskutierten die insgesamt 14 anwesenden Mitglieder insbesondere folgende Themen:

  1. Qualitätssicherung: Die im Auftrag der MV (vgl. Protokoll 2016) von der Technischen Kommission erarbeiteten Richtlinien wurden rege diskutiert und konnten anlässlich der MV nicht in allen Punkten verabschiedet werden. Da es sich v.a. um inhaltlich wenig relevante Formulierungen handelte, wurde den beteiligten Mitgliedern eine Frist bis Ende März 2017 gewährt, um allfällige Vorschläge einzubringen. Einig waren sich alle, dass diese Richtlinien dynamisch bleiben sollen, d.h. Anpassungen sollten den aktuellen Bedürfnissen entsprechend möglich sein. Die abschliessende Formulierung erfolgte durch den Vorstand an seiner Sitzung im Juni.

  2. Reglement E: bezieht sich auf die Fortbildung der Lehrenden und regelt insbesondere die Umsetzung von Art. 16 der Verbandstatuten. Es ergänzt entsprechend die bestehenden Reglemente (A-D) zu Art 15 der Statuten betr. Vorprüfungen, Zertifizierungen und Rezertifizierungen (Basis und weitere Formen).

  3. Antrag betr. Erweiterung der Möglichkeiten in der Fortbildung: Mit der Begründung, dass eine Privatstunde bei Meisterschüler/-innen mehr «wert» ist als Gruppenunterricht, wird beantragt, dass eine Privatstunde einer Workshop-Stunde bei einem Meister/Grossmeister gleichgestellt werde. Diesem Antrag wurde mit einer Enthaltung stattgegeben, das Reglement E mit entsprechendem Passus verabschiedet.

  4. Mitgliederumfrage: Die Resultate aus 2016 zeigten die grössten Anliegen der Mitglieder auf: Bessere Sichtbarkeit von CWTACH, verständliche Reglemente, Verbesserung des Informationsflusses und Klarheit bezüglich Strategie des Verbandes, wenn GM Chen Xiaowang nicht mehr in die Schweiz kommen kann. Einige Anregungen konnten bereits aufgenommen und umgesetzt werden (vgl. Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätssicherung, Erweiterung der Workshops u.a.m.). Der Vorstand wird bezüglich Mitgliederanliegen wachsam bleiben, regt aber auch immer wieder an (Website, Newsletter) sich aktiv zu beteiligen, insb. da die Ressourcen des Vorstands beschränkt sind.

  5. Generationswechsel in der Chen-Familie: zur Zeit ist unklar, wie es diesbezüglich weitergehen wird. Klar steht jedoch, dass CWTACH – in Absprache mit GM Chen Xiaowang – vermehrt mit Chen Ying Jun und anderen der Chen-Familie zusammenarbeiten und zusätzlich Workshops mit hochqualifizierten Meistern organisieren wird.

  6. Mitgliederbeiträge: Da der Verband in den letzten Jahren Gewinne verzeichnet hat, wurde beantragt, die Mitgliederbeiträge zu senken. Die Anwesenden lehnen den Antrag allerdings mit zwei Enthaltungen ab mit der Begründung, dass es schwierig sein wird, die Beiträge in Ertragsschwächeren Jahren wieder zu erhöhen. Der Vorstand wird jedoch dazu schauen, mehr Aktivitäten für die Mitglieder zu generieren.

Vorstand 2017

(bestehend aus 6 Personen aus verschiedenen Regionen der Schweiz: Daniel Stehli (Präsident), Olten; Roberta Weiss (Vizepräsidentin); Zürich, Renata Mäusli (Aktuarin und Verantwortliche diverser Projekte), Neuchâtel; Patricia Jan-Guyot, (Beisitzerin, verantwortlich für Übersetzungen und Projekte), Bienne; Christof Wetzel (Beisitzer, verantwortlich für Mitgliederadministration), Luzern; Allon Moritz (Beisitzer, verantwortlich für Website und Newsletter), Chur. Die Aufgaben und Kompetenzen der Vorstandsmitglieder sind in Pflichtenheften festgehalten. Die Arbeiten des Vorstands werden ehrenamtlich erledigt.

Im Berichtsjahr traf sich der Vorstand zu drei Sitzungen in Olten (4.3., 5.6. und 2.12.). Zusätzlich fanden themenspezifische Arbeitsgruppen statt. Folgende Aufgaben wurden besprochen und (zum Teil) erledigt:

  1. Administration

  • Dank einem neu erarbeiteten Formular konnte die Erfassung der Fortbildungskursen wie auch die entsprechende Kontrolle vereinfacht werden.

  • Die neue Online-Anmeldung wurde für verschiedene Workshop in Betrieb genommen. Allerdings hat sich erwiesen, dass es nicht für alle User funktioniert; hier steht weiterhin die Anmeldung auf traditionellen Wegen zur Verfügung. Das Tool wird im nächsten Jahr optimiert.

  1. Fortbildung

  • An der MV stellte die Technische Kommission die neuen Richtlinien für die Qualitätssicherung vor. Verschiedene Änderungsvorschläge der Anwesenden wurden dabei diskutiert und zum Teil in das Dokument aufgenommen.

  • Wiederum organisierte der Verband einen Workshop zur Vertiefung des Wissens rundum das Taiji (s. unten);

  • Ebenfalls an der MV konnte das neue Reglement (E), für lehrberechtigte Mitglieder vorgestellt und verabschiedet werden.

  • Vorschläge für die Fortbildung auch ausserhalb des Verbandes (s. unten).

  1. Zertifizierung und Vorprüfungen

  • Im November konnte GM Chen Xiaowang anlässlich seines kurzen Besuches in der Schweiz (Re-)zertifizierungen vornehmen; 12 Mitglieder nahmen diese Gelegenheit wahr und haben die entsprechenden Prüfungen (1 Erstzertifizierung und 11 Zertifizierungen erfolgreich bestanden.

  • Der Vorstand wird sich weiterhin überlegen, wie Zertifizierungen vorgenommen werden können, wenn GM Chen Xiaowang nicht mehr regelmässig nach Europa und in die Schweiz reisen kann.

  1. Öffentlichkeitsarbeit: Newsletter, Website und Werbemittel

  • Speziell aktiv wurde der Vorstand bei der Lancierung neuer Möglichkeiten, den Verband sichtbarer zu machen (s. unten)

  • Da die T-Shirts sehr grossen Anklang finden und viele Mitglieder zudem Interesse für ein – wärmeres - Sweat-Shirt zeigten, hat der Vorstand ein entsprechendes Design entworfen – ebenfalls mit Kaligrafie und Logo – und dieses in allen Grössen bestellt. Ziel war auch, dieses am geplanten Austausch- und Trainingstreffen zum Verkauf anzubieten und für die Kursleitenden abzugeben. Über 30 Sweat-Shirts wurden bereits verkauft.

  • Eine Verbandsbroschüre ist in Bearbeitung.

  • Newsletter: Mitglieder aber auch mehrere (registrierte) Interessierte erhielten im Berichtsjahr alle 2 Monate den Verbands-Newsletter mit Informationen und Berichten zu aktuellen Workshops und Aktivitäten. Zudem wurden regelmässig themenspezifische Berichte (z.B. Interviews mit Mitgliedern zu Taiji-Feriencamps) veröffentlicht.

  • Für die aktuelle Website wurde ein erstes Lifting aufgegleist und eine Überarbeitung des Kalenders. Ende Jahr gab der Vorstand diese Arbeit in Auftrag mit entsprechendem Budget. Für die Plattform der Lehrenden ist ein neues Konzept in Bearbeitung, insbesondere da sich die vorgesehene Version als zu arbeitsintensiv erwies. Der Internet-Shop für Bestellungen von Verbandsprodukten (T-Shirt, u.a.) ist im Aufbau begriffen. Das Ticketing wird bereits rege benutzt und wird weiter verfeinert.

Technische Kommission

2017 wurden im März Vorprüfungen durchgeführt. Zudem war sie massgeblich an der Bearbeitung der Qualitätssicherung beteiligt.

Buchhaltung

Seit 2015 erledigt Silvia Röthlin diese sehr wertvolle Arbeit ehrenamtlich; sie wird sie auch weiterhin übernehmen, was den Vorstand natürlich sehr freut.

Workshops und Seminare

Da Grossmeister Chen Xiaowang nicht mehr regelmässig in die Schweiz kommen kann (s. auch Jahresbericht 2016) wird der Verband versuchen, andere Workshops anzubieten, einerseits damit die Lehrenden genügend Fortbildungsmöglichkeiten haben und anderseits um allen Mitgliedern und Interessierten Gelegenheit zum Trainieren und sich Austauschen zu ermöglichen. Natürlich wird CWTACH die bereits gut etablierte Beziehung mit Chen-Familienmitgliedern weiter pflegen und nach Möglichkeit ausbauen.

Workshops

Die Workshops mit Chen Ying Jun im August/September fanden regen Anklang und wurden sehr gut besucht. Insgesamt fanden 9 Workshops à ca. 2 ½ Stunden in Olten (Standing / Reeling Silk, Laojia Yilu, Speer sowie 19er Form mit Anwendungen), Zürich (38er Form) und Biel (Standing, Tuishou, Grundtechniken „peng-lü-ji-an“) statt. Sehr geschätzt wurden seine Erklärungen, seine Korrekturen und seine kommunikative, heitere Art.

In Absprache mit den entsprechenden Veranstaltern machte CWTACH seine Mitglieder über Website, Newsletter, aber auch im direkten Kontakt auf weitere Workshops mit Mitgliedern der Chen-Familie aufmerksam, z.B. mit Chen Bing in Bern oder mit Chen Xiaoxing In Deutschland.

Feriencamps bei Chen-Meistern und Meisterschüler/-innen

Viele Mitglieder haben auch dieses Jahr die Gelegenheit genutzt, ihre Ferien mit Intensiv-Taiji-Workshops oder Camps zu verbinden, sei dies bei Meisterschülerinnen wie Regula Stehli oder Cate Wallis, sei dies – wie es sich gerade dieses Jahr anbot – bei einem Grossmeister wie Chen Xiaoxing. In Interviews wurden die Erfahrungen einiger Mitglieder festgehalten und im Newsletter und auf der Website publiziert. Der Vorstand wird vermehrt auf mögliche nicht direkt vom Verband organisierte Camps hinweisen und die Mitglieder ermuntern, daran teilzunehmen.

Seminare zu «theoretischem» Wissen rundum das Taijiquan

Der ganztätige Workshop zur Diätetik mit Helmut Magel im Juli 2017 stiess auf grossen Anklang und wurde von 30 Mitgliedern und Interessierten besucht.

Daniel Stehli (Präsident) und Roberta Weiss (Vize-Präsidentin)

chen bing

Am Wochenende vom 03. und 04. März 2018 organisierten Barbara und Jaewoo Lee-Gehring, Chen Taiji Bern, einen Taijiquan Workshop mit Meister Chen Bing in Münchenbuchsee.

Das Thema dieses zweitägigen Trainings war die Form Laojia Yilu, also der alte Rahmen des Chen Stils.

Die etwa 30 Teilnehmenden durften sich auf ein äusserst lehrreiches und kurzweiliges Taijiquan Wochenende freuen. Chen Bing teilte sein Training so ein, dass pro Halbtag ein Viertel der Form kennengelernt und vertieft werden konnte. Jeweils am Ende des Tages wurden dann die Teile verknüpft, sodass wir am Sonntag zum Schluss die ganze Form am Stück gemeinsam laufen konnten.

Chen Bing ist ein sehr erfahrener und didaktisch geschickter Lehrer, der alle Teilnehmenden auf ihrem Niveau abholen und weiterbringen kann.
Er legt sehr grossen Wert auf die vorbereitenden und aufwärmenden Übungen vor dem eigentlichen Formentraining. Dabei werden auch die koordinativen Fähigkeiten durch Zehenstand und abwechselndes Stehen auf einem Bein geübt. Immer wieder macht er die Schüler darauf aufmerksam, sich zu entspannen, die Schulter zu senken, das Gewicht von Armen und Beinen nicht mit den Muskeln zu halten, sondern sinken zu lassen.
Dabei unterstreicht Meister Chen Bing jedoch, dass die innere Struktur durch die Entspannung nicht verloren gehen darf. Das heisst zum Beispiel, dass die Finger gestreckt bleiben, der Kopf aufrecht, der Schultergürtel offen und rund ist.
Beim Üben der einzelnen Bewegungen oder Techniken, fordert er die Schüler regelmässig auf, die Arme fallen zu lassen und den Körper durchzulockern und das Qi abzusenken.

Meister Chen Bing versteht es, den Schülern die Qi-Wechsel in den Bewegungen klar und verständlich zu zeigen, indem er mit langsamen Bewegungen der Arme und deutlichen Gewichtswechsel das Zurückfliessen des Qi (Yin) und das nach Aussen Fliessen des Qi (Yang) deutlich macht. Trotz den langsamen und grossen Bewegungen kann man sehr gut erkennen, wo schlussendlich eine Anwendung (also eine Abwehr oder ein Angriff) erfolgen kann.
Chen Bing ist es wichtig, den Kampfaspekt des Taijiquan der Familie Chen ebenfalls in das Training einzubringen. So sind seine Bewegungen oftmals kampforientiert und auf einen imaginären Gegner gerichtet. Das hilft oftmals für das bessere Verständnis einer Bewegungsabfolge.

Bei Meister Chen Bing kann gut beobachtet werden, wie die Arme und Beine den Spiralbewegungen des Rumpfes folgen. Das also zum Beispiel die Hand erst am Schluss einer Bewegung des Armes in die endgültige Haltung gedreht wird.

Am Sonntag brachte er uns eine weitere Trainingsmethode aus Chenjiagou etwas näher, das freie Taiji-Laufen. Dabei wird zum Beispiel die Laojia Yilu nicht stur geradlinig nach Lehrbuch abgespult, sondern die Bewegungen werden frei in verschiedene Richtungen, auch rückwärts kombiniert. Der Grundablauf wird zwar befolgt, jedoch in Geschwindigkeit, Ausführungsrichtung und Anzahl Wiederholungen stark variiert. Dies lässt viel Freiraum für neue Fajin Anwendungen.
Das Ganze gleicht nun eher einem Freikampf mit einem unsichtbaren Gegner als einem Formlauf. Natürlich ist es bei dieser Trainingsmethode mindestens ebenso wichtig, die Qi-Wechsel korrekt zu machen und den Körper als Ganzes zu bewegen.

Meister Chen Bing hat folgende Punkt beim Training besonders hervorgehoben:
Finde dein Dantian! (Wahrnehmung)
Folge deinem Dantian! (Bewegungsauslösung im Zentrum – der Körper folgt)

Dantian entspannen und sinken lassen
immer eine natürliche Atmung anstreben
aussen weich – innen hart (Gelenke offen, Muskeln entspannt, die Struktur aber nicht unterbrochen und der Körper nicht schlaff)

Zum Schluss gab er uns den einfachen Rat mit auf den Weg:
«geht nachhause und übt!»

Glücklich, mit müden Beinen und vielen Eindrücken traten wir dann also den Heimweg an mit der Hoffnung, Meister Chen Bing möglichst bald wieder in der Schweiz zu haben.

Ermensee, 18.03.2018
Christof Wetzel

Taiji-Schülerinnen und Schülern über 70 Jahre erzählen im Gespräch mit Regula Stehli-Schär, wie sich Taijiquan in ihrem Alltag und ihrem Leben manifestiert. Wir publizieren hier einen Ausschnitt aus dem Interview mit Irma Bräm.

Regula

Irma, wann hast du mit Taiji begonnen?

Irma

Vor ungefähr 20 Jahren. Ich habe mich damals mit dem Telefon verwählt. Eigentlich suchte ich eine Yoga-Lehrerin und habe dann Regula erwischt. Sie hat gefunden, ich soll doch einmal ins Taiji kommen. Das habe ich dann gemacht und bin bei ihr hängen geblieben. Obschon mein Weg zum Trainingslokal eine Stunde dauert, bin ich jeden Freitagmorgen nach Olten gefahren. Ich fühlte mich bei Regula gut aufgehoben. Das Taiji ist nicht zu ruhig aber auch nicht zu wild.

Regula

Was hat dich motiviert mit Taiji, eine für uns «Westler» ungewohnte Art von Bewegung, zu beginnen?

Irma

Vom Alter her. Ich habe gefunden, vor dem Ausstieg aus dem Berufsleben mit etwas Anderem zu beginnen, damit ich weiter beschäftigt bin. Ich wollte etwas für mich, das mit Bewegung im Zusammenhang steht. Und in einem Kurs in Baden hatte ich in einer Schnupperstunde die Gelegenheit, einen kurzen Einblick ins Taiji zu bekommen.

Regula

Du hast mir erzählt, dass dir Taijiquan in verschiedenen schwierigen Lebenssituationen schon helfen konnte. Kannst du mir diesbezüglich Näheres erzählen?

Irma

Kurz nachdem ich mit Taiji begonnen habe, habe ich mir bei einem Sturz in einen Lüftungsschacht mein Fersenbein zerschmettert. Und so musste ich eine Pause einlegen. In einem Telefongespräch hat mich Regula überzeugt, einen weiteren Versuch mit Taiji zu wagen. Und ich meine, ich wäre heute nicht so gut zu Fuss, wenn ich nicht weiter Taiji gemacht hätte.

Mit 18 Jahren habe ich mein Steissbein gebrochen. Dabei habe ich gemerkt, dass es im konventionellen Turnen zu viele Übungen gibt, die ich eben wegen meines Rückens nicht machen konnte. Mit Taiji war das aber kein Problem. Taiji hat meinem Rücken nur gut getan. Auch wurde mein Rücken wegen meiner ca. 2005 diagnostizierten Osteoporose nicht schlimmer. Durchs Taiji sogar eher besser. Den aktuellen Stand meiner Knochendichte kenne ich nicht. Mein Arzt macht nur Messungen bei meinem Einverständnis für eine allfällig notwendige Therapie. Eine solche möchte ich aber nicht, ich will keine Medikamente einnehmen.

Vor zwei Jahren ist mein Mann verstorben. Taiji hat mir in dieser schwierigen Zeit sehr geholfen, und mir geht es heute psychisch gut. Obschon, ich vermisse meinen Mann vor allem an den Abenden noch sehr.

Regula

Gibt es in all den Jahren Veränderungen, die du direkt auf das Taiji zurückführen kannst?

Irma

Da ist sicher meine Körperhaltung. Ich gehe heute aufrechter. Ich suche keine Fünfliber mehr, wenn ich durch die Strasse gehe: Vorher hatte ich den Kopf näher zum Boden.

Ich habe mehr Selbstvertrauen gewonnen. Ich habe heute das Gefühl, auch jemand zu sein. Eigentlich fühle ich mich in allen Bereichen selbstsicherer. Heute kann ich in einem Geschäft sagen, wenn ich etwas nicht kaufen will. Früher hatte ich das Gefühl, ich könne ohne Einkauf den Laden nicht verlassen. Gerade im Dorfladen war dieses Gefühl stark.

Ich konnte früher wegen meines tiefen Blutdrucks nie einen Umzug verfolgen. Es wurde mir relativ schnell übel, verlor manchmal sogar das Bewusstsein. Aber heute fällt mir das leicht. Im Taiji-Training übe ich ja das Stehen.

Regula

Was bringt dir das Taiji denn heute? Bist du noch weiter aktiv, körperlich oder auch geistig/mental?

Irma

Taiji tut mir sehr gut. Wenn ich nicht schlafen kann stehe ich auf und laufe die 19er Form bis zu dreimal. Das hilft mir, das Einschlafen ist anschliessend kein Problem mehr.

Für meinen grossen Garten ist Taiji ideal. Beginnt der Rücken zu schmerzen weiss ich, dass ich mich aufrichten und mich in die Mitte zurückführen muss. Ich muss mich zentrieren und dann geht es wieder.

Ich gehe auch ins Seniorenturnen, wo ich Leute aus dem Dorf kennenlerne. Ich muss mich neu orientieren, seit mein Mann verstorben ist. Und damit ich in Bewegung bleibe und auch Kontakt finde zu anderen Leuten, gehe ich monatlich ein- bis zweimal Jassen ins Alterszentrum.

Regula

Wie schätzst du dich im Vergleich mit Gleichaltrigen ein?

Irma

Ich gehöre eher zur vitaleren Gruppe. Oft bin ich auch älter als die anderen Gruppenmitglieder, fühle mich aber unter ihnen wohl, kann gut mithalten und werde vielfach jünger eingeschätzt.

Regula

Und wie geht es dir sonst bezüglich Gesundheit?

Irma

Da geht es mir sehr gut. Ich kann eigentlich überall mitmachen und mithalten. Auch wenn wir Spazieren oder Velofahren gehen.

Regula

Irma, du nimmst mit 77 Jahren noch keine Medikamente?

Irma

Nein, das brauche ich nicht. Mit der Bewegung ist mein Blutdruck gut.

Regula

Das ist wunderbar.

Irma

Ja, mein Arzt war darüber sehr erstaunt, sollen doch die Blutdruckwerte bei Arztkontrollen immer zu hoch sein. Ich habe aber gemeint, nicht die meinigen. Zuerst hat er den Blutdruck der linken Seite und dann den der rechten Seite gemessen mit der Bemerkung, der Unterschied zeige sich sofort. Der Arzt war dann über die Ausgeglichenheit links – rechts total erstaunt und meinte, das habe er noch nie gehabt, die beiden Seiten sind identisch.

Regula

Übst du zu Hause regelmässig Taijiquan?

Irma

Ich habe in meinem Tagesablauf keine bestimmte Zeit für das Training reserviert. Das kommt immer spontan. Mein Körper sagt mir, wann ich Taiji brauche.

Regula

Toll. Das ist ja genau das, was uns Taiji lernen kann: auf uns hören und im Moment reagieren.

Und nun die letzte Frage: Hast du zur chinesischen Kultur noch andere Bezüge ausser über das Taijiquan?

Irma

Das Essen schmeckt sehr fein und China ist ein sehr interessantes Land.

Regula

Ich danke dir herzlich, dass du dir Zeit für dieses Gespräch genommen hast.

Olten, 1. Juni 2018, Regula Stehli-Schär