Die „CHENXIAOWANG TAIJIQUAN ASSOCIATION SWITZERLAND – CWTACH" ist der offizielle Verband der Schweiz für das traditionelle Chen-Tai ji quan nach Grossmeister Chen Xiaowang.

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Bericht 1. Teil Seminar The illustrated Cannon of Chen Family Taijiquan

In diesem ersten Seminar zum «Cannon of the Chen Family Taijiquan» bot uns Daniel Stehli eine Starthilfe in die Lektüre des umfangreichen und komplexen Lebenswerks des Taiji-Grossmeisters Chen Xin (1849-1929, 16. Generation de Chen Familie) und machte uns mit den wichtigsten Grundgedanken des Taijichuan, des Daoismus und ganz allgemein mit dem chinesischen Weltbild vertraut. Das Buch von Chen Xin erschien 1917 in chinesischer Sprache; 2007 wurde das Werk erstmals (von Alex Goldstein) ins Englische übersetzt, und das erste (von drei) Büchern liegt nun seit 2016 auch in einer sehr ausführlich kommentierten deutschen Version vor. Da einiges in der englischen Fassung etwas unglücklich oder irreführend übersetzt wurde, hält sich Daniel Stähli an das chinesische Original und führte uns – mit vielen Illustrationen und praktischen Beispielen sowie weiterer erläuternden Texten – Schritt für Schritt durch die komplexe Materie.

«The illustrated Cannon of the Chen Family Taijiquan» gilt als Standartwerk für alle, die Taijiquan unterrichten und üben. Wir finden darin eine ausführliche Einführung in die philosophischen Hintergründe des Chen Taijiquan mit Querbezügen zum Daoismus und zum Yi Jing. Begleitet wird der Text von über 400 Illustrationen und Diagrammen wie auch erläuternden Texten und Gedichten. Manches bleibt jedoch dabei ungeklärt und bietet entsprechend immer wieder Interpretationsräume. Der zweite Teil des ersten Buches beschäftigt sich mit den Meridianen und Akupunkturpunkten, verbindet in diesem Sinn das Taijiquan mit der Traditionellen Chinesischen Medizin. Im zweiten und dritten Buch geht es schliesslich um die Praxis des Taijiquan; dabei werden die einzelnen Positionen und Formen dargestellt, mit dem entsprechenden Energieverlauf im Körper, dem Qi-Fluss in Verbindung gebracht und ausführlich kommentiert.

Zum Auftakt der Lektüre finden wir ein Gedicht, ein Lied von Chen Pan-Ling (1892-1967, nicht in der Linie von Chenjagou). Darin wird die Entstehung von Himmel und Erde aus dem Wuji, dem ultimativem Nichts geschildert, in dem das Yin-Yang und das Taiji-Motif enthalten sind und das «Milliarden von Dinge vollendet». Himmel und Erde sind folglich aus dem nicht Existierenden entstanden; sobald sie jedoch existent sind, können daraus Milliarden von Dinge entstehen. Wichtig ist in dieser – im Daoismus wurzelnden – Entstehungsgeschichte, dass hier, im Unterschied zur westlichen Vorstellung, kein Schöpfer am Werk ist. Vielmehr soll sich die Welt aus dem Ur-Qi, dem Chaos, entwickeln und sich darin wieder auflösen Dies ist schliesslich der ewige Lauf der Dinge. . Auch jedes menschliche Wesen trägt das Taiji-Motiv in sich. In Bezug auf die Taiji-Praxis könnte man daraus ableiten, dass die Fähigkeiten des Taiji im Nichts wurzelt. Doch sobald wir sie in uns entdecken, herauslocken, die inneren Veränderungen wahrnehmen, Formen üben und anwenden wird klar, dass unsere nicht genutzten Gedanken und Fähigkeiten existent geworden sind. Anderseits ist jedoch wichtig, dass nicht das Sichtbare massgebend ist, im Gegenteil: interne Bewegungen, Veränderungen sollten schliesslich unsichtbar werden. Was als Farbe bekannt ist, ist schliesslich farblos und das Farblose ist farbig. Der leere Kreis zeigt all dies auf.

wujiWuji, das absolute Nichts, die Leere, im Daoismus das Nichtnennbare, wird als leerer Kreis dargestellt. Das Nichts beinhaltet jedoch gleichzeitig auch alles. Dies entspricht genau der Taijiquan Praxis: der Ursprung der Fähigkeiten ist das Nichts, aber nachdem wir ein paar Techniken gemeistert haben und anwenden können beginnt die Erarbeitung (Kultivierung) des Zustandes vom "nicht gedachten Denken" (nicht nutzen der Gedanken und des Geistes), dem Wu Xin. Wu Xin ist der Zustand, in dem die inneren Veränderungen das Sichtbare ersetzen ohne den Weg aus den Augen zu verlieren. Das Symbol des Kreises verweist aber auch bereits auf eine Trennung; das Innere trennt sich vom Äusseren; beide Elemente sind von Bedeutung auf dem Weg zur Vollkommenheit. In Bezug auf den Taiji-Weg könnte man sagen, dass der Impuls von Aussen – beispielsweise von einem Taiji-Lehrer – kommt, der den Weg der Praktizierenden begleitet. Wer nur für sich selbst, vielleicht sogar selbstzufrieden trainiert, könnte auf Irrwege geraten, die Kontrolle, die Mitte verlieren und das Taiji-Ziel nicht erreichen. Selbstbeurteilung allein genügt folglich kaum. Wer sich anderseits nur nach anderen orientiert, sich nach andern richtet, sich mit anderen misst (Kampf) und sich keinen Raum für die Selbsterfahrung und die Meditation (z.B. Standing) nimmt, könnte ebenfalls aus dem Lot geraten. Der Autor des «Canon» verweist auf die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, in der er selbst gelebt hat. Einige haben damals einen hohen Grad in der Kampfkunst erreicht, doch haben sie die Ethik zu wenig berücksichtigt, sind Laster verfallen und vom Weg abgekommen. Ziel des Taiji ist folglich, die goldene Mitte zwischen Innen und Aussen zu finden. Wichtig ist für den Taiji-Übenden die Theorie zu kennen, täglich Taiji zu üben und das Training zur Lebensaufgabe zu machen. Immer wieder – insbesondere als Einleitung zu einem neuen Buch oder Kapitel - wendet sich der Autor mit Ratschlägen und Anweisungen direkt an die Leserschaft.

jinjang Als zweites wichtige Symbol wird das Yin-/Yang-Zeichen eingeführt, das Diagramm der ultimativen Extreme, des Taiji. Die graphische Darstellung kann als Denkmodel mit zwei entgegengesetzte Kräfte betrachtet werden. In beiden entgegengesetzten Kräften ist wiederum die andere Kraft im Kern enthalten. Um auch diesen Gedanken darzustellen, wird im – dunklen - Yinbereich jeweils ein schwarzer Punkt als Kern des Yang eingefügt und umgekehrt. Yin und Yang, öffnen und schliessen, weich und hart, einatmen und ausatmen, voll und leer, etc.: Wer Taiji übt, sollte sich bewusst sein, dass bei jedem Einatmen das Ausatmen vorausgeht oder mitgemeint ist, bei jedem Öffnen das Schliessen, u.s.w.; grundsätzlich beinhaltet jede Bewegung die Gegenbewegung.

Auf die Erläuterungen zu den obigen beiden Symbolen folgen Erklärungen zu numerologische Darstellungen mit Bezug zum Buch der Wandlungen (Yi Jing), anschliessend Erklärungen der acht Trigramme und die daraus entwickelten sehr komplexen 64 Hexagramme.

Daniel Stehli geht im Anschluss detaillierter auf die Darstellungen zur Qi-Bewegung ein, erklärt das Meridian-System mit Querbezügen zur Traditionellen Chinesischen Medizin und die – auch für das Taiji wichtigen – Akupunktur-Punkte.

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